Alltag anders: S-U

Wo haben Bauern in der Regel ein, zwei Gewehre im Schrank? Wer hat die längsten Strände? Wo verschwinden nach und nach die Kassiererinnen aus den Supermärkten? Unsere Auslandskorrespondenten berichten jeden Freitag um 7.40 Uhr in „Studio 9“ von ganz persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen.
Wir befragen unsere Reporterinnen und Reporter einmal nicht nach den wichtigen Geschichten in ihrem Berichtsgebiet, sondern nach den kleinen Dingen des Alltags. Hören Sie im Folgenden, wie anders das Leben in Peking, Mexiko City, Nairobi, Moskau, Los Angeles, Rabat, Tel Aviv oder Tokio verläuft.
Schmunzeln über Kurioses, Staunen über unerwartet anderes, Respekt für die Menschen, deren Alltag um so viel härter ist als der unsere: Wir sind gespannt, wie es Ihnen ergeht und freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.
Welche Themen liegen Ihnen am Herzen? Wonach sollen wir unsere Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten fragen? Schreiben Sie uns Ihre Vorschläge an alltag.anders@deutschlandradiokultur.de
Hier finden Sie eine Bildergalerie unserer Korrespondenten in aller Welt!

Das Schaufenster eines Metzgerladens auf der Ile Saint-Louis, einer Insel in der Seine in Paris, im Mai 2012© picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst
Schaufenster gibt es in Neu Delhi nur in Shoppingmalls, typischerweise wird auf der Straße eingekauft. In L.A. sind besonders die Schaufenster der Luxusläden sehenswert. Die spektakulärsten Auslagen haben in Frankreich die Lebensmittelläden. In Fleischereien hängen etwa ganze Schweinsköpfe oder frisch erlegte Hasen.

Erst Hochzeit, dann getrennte Wege© picture alliance / ZB / Patrick Pleul
Weil in den USA so gerne geheiratet wird, lässt man sich dort auch sehr häufig scheiden. Am häufigsten werden Ehen allerdings in Russland aufgelöst. Im Gegensatz dazu ist Indien absolut kein Scheidungsland.

Schriller Körperschmuck beim Karneval in Rio© CHRISTOPHE SIMON / AFP
In Amerika wird einem Schmuck fast hinter geworfen, in Russland ist das Kreuz das am weitesten verbreitete Schmuckstück. In Afrika ist Silberschmuck weniger beliebt, dafür spielt Gold eine wichtige Rolle. Chinesen gelten als wenig bescheiden und tragen entsprechend viel Schmuck.
Schuhe

Schuhe (hier auf einer Messe in Düsseldorf 2011) © picture alliance / dpa / Foto: Julian Stratenschulte
Fette Boots fürs australische Outback oder quietschbunte High Hills in den Straßen von Mexiko. Wie jede Mode sagte auch das Schuhwerk sehr viel über Menschen und Kulturen aus.
Schulweg

Die Bilder dieses Schulwegs gingen um die Welt: Chinesische Kinder müssen hier 800 Meter in die Höhe klettern.© picture alliance / dpa / Tao Ge
In Mexiko-Stadt bringen fast alle Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule – und auch in den USA und in China ist es undenkbar, dass ein Kind alleine zur Schule geht. Südafrikanische Kinder, die auf dem Land leben, sind teilweise bis zu zwei Stunden unterwegs.
Schusswaffen

Pistole © picture alliance / dpa / Rene Fluger
Vielleicht nicht so überraschend: In Mexiko gibt es jede Menge Privatpolizisten und damit auch jede Menge Schusswaffen. Aber auch in Dörfern in der Ost-Türkei haben Bauern ein, zwei, drei Gewehre im Schrank. In Peking sind Schusswaffen allerdings sehr schwer zu bekommen.
Schwangerschaft
In der Türkei werden Schwangere wie auf Händen getragen, in China dagegen eher wie Kranke behandelt. Und in Indien? Die Geburtenrate ist hoch und Babybäuche gehören zum Stadtbild dazu.

Bauch einer schwangeren Inderin© Foto: Sandra Petersmann
Schwänzen
Wer in Singapur die Schule schwänzt, muss mit dem Rohrstock rechnen. Für Kinder in Ägypten ist Schwänzen manchmal notwendig, da sie arbeiten müssen. Und in Südafrika schwänzen offenbar die Lehrer häufiger als die Schüler.

Mehr als 80 Prozent der 10-13-Jährigen nutzen ein Smartphone© picture alliance / dpa / Jens Kalaene
Schwimmen

Touristen auf der Krim baden im Schwarzen Meer.© picture alliance / dpa / Pochuyev Mikhail
In China trauen sich viele nur mir riesigen, schwarzen Schwimmringen ins Meer, in der Türkei sieht man Männer mit Schwimmflügeln in die Fluten tauchen. Und manche Südafrikaner fürchten den Fluch eine Meerjungfrau – sie steigen vorsichtshalber nur bis zu den Knien ins Wasser.
Straßenmusik

Straßenmusiker haben es in verschiedenen Ländern unterschiedlich schwer.© Picutre alliance / dpa / Wolfram Kastl
In Singapur unterliegen Straßenmusiker sehr strengen Regeln. Besonders restriktiv ist Südafrika, wo einige bereits von Polizisten brutal abgeführt wurden. In London müssen Musiker zum Vorspielen kommen – erst dann erhalten sie eine offizielle Lizenz für ihre Auftritte.
Schwule und Lesben

Zwei Frauen küssen sich im Rahmen einer Gay Pride Parade in Rio de Janeiro© picture alliance / dpa
In China führen Homosexuelle ein Leben im Verborgenen, in Mexiko-Stadt hingegen zeigen sie sich auf den Straßen. Schwule und Lesben in Singapur begegnen einer Doppelmoral, und sogar Großbritannien ist kein Musterland der Toleranz für die gleichgeschlechtliche Liebe.
Singen

Junge Frauen singen auf der Karaoke-Bühne im Mauerpark in Berlin. © dpa / picture alliance / Bernd Von Jutrczenka
Die Argentinier singen gern in der U-Bahn. Italienische Arbeiter schmettern manchmal „Nabucco“ auf dem Baugerüst. Nur die Deutschen kennen anscheinend ihre Lieder nicht – Japaner könnten da aber in Gesangsrunden mit „Am Brunnen vor dem Tore“ aushelfen.
Sitzmöbel

Es muss nicht immer eine Couch sein© dpa / picture alliance / David Ebener
Die Südafrikaner stehen auf riesige ausladende Couchgarnituren, massig und tonnenschwer, ähnlich riesig sind sie auch in Amerika. In Russland bekommt vor allem ein Möbelstück große Wertschätzung: der Hocker.
Smartphone

Fahrgäste in der U-Bahn der chinesischen Hauptstadt Peking benutzen ihre Smartphones.© picture-alliance / dpa / Liu Zhuoqun
Egal ob Singapur, London oder Mexiko-Stadt: In Bus und U-Bahn sind immer mehr Menschen in ihre Smartphones vertieft. In Cafés und Restaurants auf die Displays zu starren, statt miteinander zu plaudern, ist in China die Norm.
Social Media

Viele Menschen haben soziale Medien fest in ihren Alltag integriert.© picture alliance / dpa / Axel Heimken
Die Singaporer gehören zu den aktivsten Social-Media-Nutzern der Welt. Auch in Südafrika sind Facebook, Twitter, Whatsapp & Co nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. In Ägypten kann die Hälfte der Bevölkerung nicht mit posten und teilen – 50 Prozent der Menschen dort sind Analphabeten.
Sommerfrische

Erfrischung gegen die Sommerhitze© picture alliance / dpa / Julian Stratenschulte
In Mexiko haben die Kinder Pech, die Ferien fallen in die Regenzeit. In Israel ist es heiß, daher verbringen die meisten ihren Sommer zuhause, da wo man runterkühlen kann. Die Schweden haben sechs Wochen Urlaub, die Japaner haben nur 20 Tage.
Sonntag

In Peking lässt sich auch sonntags shoppen.© Wang Zhao / AFP
In Peking sind am Sonntag alle Geschäfte geöffnet. In Moskau ist es dagegen ausnahmsweise leise und in Mexiko-Stadt entspannt. In welchem Land lässt man den muslimischen Feiertag Freitag in das christliche Wochenende münden?
Sparen

Dem deutschen Sparschwein entspricht in der Türkei ein Einmachglas.© picture alliance / dpa / Hans Wiedl
Nirgendwo wird lieber und mehr gespart als in China und auch in Singapur ist die Sparquote hoch. In der Türkei gibt es Einmachgläser in vielen Küchen, die als Spardosen fungieren. Amerikaner und Sparen, das ist dagegen fast ein Widerspruch an sich.
Spielplatz
In Singapur liegen sie ein bisschen herzlos zwischen den Plattenbauten, in den USA sind sie mit Gummimatten ausgestattet und manchmal winzig klein, in Kairo oft gar nicht vorhanden: Spielplätze.

Kinder schaukeln gerne – überall auf der Welt.© dpa / picture alliance / Thomas Schulze
Steaks
In Argentinien gibt es womöglich die besten Rindersteaks der Welt. In Japan ist Rindfleisch sündhaft teuer – die Rinder dort bekommen eine Nackenmassage mit Bier. Die Russen bevorzugen dagegen Schaschlick, das aus Schweinefleisch gemacht wird. Und in Mexiko muss das Rind in die Tortilla.

Ein durchwachsenes, rohes Rindersteak, dekoriert mit einem Rosmarinzweig.© dpa / picture alliance / Marco Stirn
Strand

Seesterne am Strand© dpa / picture alliance / Karl-Heinz Eiferle
Die Küsten Japans sind zusammengerechnet länger als jene in Amerika. Und auch in Schweden gibt es Strände ohne Ende, selbst in Stockholm. Und auch Mexikaner lieben das Strandleben – nur können viele von ihnen nicht schwimmen.
Straßenkinder

Straßenkinder unter der Brücke im Osten Neu-Delhis. © ARD / Sandra Petersmann
Straßenkinder sind in vielen großen Städten weltweit allgegenwärtig – und doch oft kein Thema in der Gesellschaft. Das wurden sie etwa in China erst, nachdem dort kürzlich fünf Kinder erfroren. Und oft landen Kinder ehemaliger Straßenkinder wieder auf der Straße – wie beispielsweise in Neu-Dheli.
Straßenreinigung

Ein Mitarbeiter der Berliner Stadtreinigung reinigt mit einem Riesensauger eine Straße.© dpa/ picture-alliance/ Wolfram Steinberg
In Buenos Aires sind Straßenkehrer angesehene Leute. In Tokio haben sie nur wenig zu tun, denn niemand wirft etwas weg. Und in Neu Delhi rücken sie normalerweise in ganzen Brigaden aus.
Straßenstrich

Eine Prostitutierte auf einem Straßenstrich© picture alliance / dpa/ Boris Roessler
In Mexiko gibt es ihn, in Peking nicht und in Istanbul ist er verboten: der Straßenstrich. Vor allem in stark restriktiv geführten Ländern geben sich Prostituierte nur über Codes zu erkennen.
Supermarkt

Supermarkt in Moskau© picture alliance / dpa / Yuri Kochetkov
Japaner sind Schnäppchenjäger und gehen mit Flyern in der Hand einkaufen. In den Schickimicki-Supermärkten in Moskau gibt es mehr Personal als Kunden. In welchem Land langsam die Kassiererinnen verschwinden, hören Sie im Beitrag.
Süßigkeiten
Ob Schokolade in Israel und Italien, Zimtschnecken in Schweden oder Baklava in Marokko – Süßes ist überall beliebt. In Schweden aber besonders. Und in Israel werden Jungs sogar mit Süßigkeiten beworfen. Doch die Leckereien haben auch ihre Schattenseiten.

Eine Tafel Vollmilchschokolade© picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst

Chinesische Senioren tanzen in einem Park in Peking.© picture alliance / dpa / Luo Wei
In Polen tanzt man Polonaise und auch sonst gerne in Gruppen. Die Franzosen bevorzugen den intimen Tango. In Marokko geht es vor allem laut zu. Und wie tanzen die zurückhaltenden Chinesen?
Tanken

Tankstelle in China© Johannes Eisele / AFP
In Südafrika bleibt man sitzen beim Tanken und alles macht der Tankwart. In Neu Delhi gibt es Spezialtankstellen, an denen beispielsweise nur Frauen bedienen. Und in China sind die Spritpreise etwa genauso hoch wie in Deutschland, nur dass die Leute eben im Durchschnitt viel weniger verdienen, also: Es ist dort wahnsinnig teuer.
Tattoos

Ein Tattoo-Artist arbeitet an dem Tattoo einer Besucherin auf der Istanbul Tattoo Convention 2015 in Istanbul, Türkei© dpa / picture alliance / Tolga Bozoglu
In Italien und in Schweden hat fast jeder ein Tattoo. In Rom geht der Trend zu mehrfarbigen Tattoos, in Stockholm zu Sinnsprüchen, die in die Haut geritzt werden. In Marokko dagegen ist fast niemand tätowiert, generell sind Tattoos in der muslimischen Welt ziemlich verpönt. Außer in Ägypten – dort erkennen sich die Anhänger einer bestimmten religiösen Gruppierung an einem ganz bestimmtem Motiv.
Taxi
Taxi fahren ist in Peking sehr, sehr billig, in Madrid unumgänglich und in Tel Aviv aufgrund des Verkehrschaos nicht angeraten – da eignet sich besser ein Fahrrad. In Johannesburg wiederum entscheidet man sich eher für das Auto – aus Sicherheitsgründen.

Ein junger Chinese schaut aus einem Taxifenster.© picture alliance / dpa
Theater

Kabuki-Schauspieler in einem Theater in Tokio.© JAPAN POOL / JIJI PRESS / AFP
In Singapur wächst erst langsam eine Theaterlandschaft heran, in Neu Delhi sind Theaterveranstaltungen eher High-Society-Events. Japans Theater wiederum warten auf mit wildgeschminkten Masken und prächtiger Kleidung.
Toiletten

Ein grünes Leuchtschild weist den Weg zur Toilette© picture alliance / dpa / Uwe Zucchi
In Stockholm sitzt eine Klofrau vor der öffentlichen Toilette, in Neu-Delhi geht man lieber freiwillig in die Büsche, während in Tokio die Klobrille beheizt ist. Im Ural geht man auf das Plumpsklo und fragt nach den Bequemlichkeiten.
Touristen

Die Einwohner von Los Angeles verirren sich nicht unbedingt in die Touristengebiete.© Jan-Martin Altgeld
Einheimische in Los Angeles würden nicht auf dem Sunset Boulevard flanieren. Pilgergruppen in Israel sind an ihrem Pfarrer zu erkennen. In welchem Land gibt es in Restaurants verschiedene Preislisten für Stammgäste, Einheimische und Besucher?
Trinkgeld

Wo können Bedienungen auf gute Trinkgelder hoffen?© picture alliance / dpa – Marc Tirl
In Amerika sind zwanzig Prozent der Rechnung als Trinkgeld üblich. In China und Schanghai gibt man kein Trinkgeld und in Mexiko gibt man, wie in Deutschland auch, um die zehn Prozent. Auch in Kenia steht das Trinkgeld nicht hoch im Kurs. In Italien erhält man sich die Freundschaft mit einem kleinen Trinkgeld.
Trinkwasser

Leitungswasser – nicht überall genießbar© Lukas Schulze / dpa
Das Wasser in Indien hat keine gute Qualität, das Wasser aus den Leitungen muss abgekocht werden – in Tokio hingegen kann man es trinken. In Kenia kommt kein Trinkwasser aus den Leitungen und auf dem Land gibt es kaum sauberes Wasser. In Marokko hat man häufig Rost im Glas, die Wasserleitungen sind oft verrostet sind.
Türschloss

Doppelt hält besser: Viele Inder fühlen sich nur sicher, wenn sie ihr Zuhause doppelt und dreifach abschließen.© picture alliance / dpa / Roland Weihrauch
In Japan braucht niemand Türschlösser, weil dort keiner einbricht. Inder verrammeln ihr trautes Heim mit einer Unmenge an Hängeschlössern und Ketten. Und in der Türkei gibt es ganze Straßenzüge mit Türschlossfachgeschäften.
Umweltbewusstsein
Mülltrennung wird in vielen Ländern als Schrulle der Deutschen betrachtet. Auch sonst ist das Umweltbewusstsein oft nur mäßig ausgeprägt. So hat etwa Südafrika zwar gute Umweltgesetze, aber es hapert an der Umsetzung. Und in Kairo gibt es sogar ein Restaurant, das „Vater der Umweltverschmutzung“ heißt.

Mülltrennung in Moskau vor einem Supermarkt, bald soll es mehr davon geben.© Deutschlandradio / Gesine Dornblüth

Lastwagen eines Umzugsunternehmens © picture alliance / dpa / Arne Dedert
Umzüge funktionieren in Schweden problemlos, in Ägypten abenteuerlich und in Neu-Delhi umständlich. In Japan wird der Betrieb mitunter wegen An- und Ausziehen der Schuhe unterbrochen, in Indien darf der Umziehende nicht mithelfen, in Schweden muss er das sogar.
Unwetter

Wassermassen gewöhnt – ein Milchmann im indischen Amritsar fährt auf dem Moped auf einer überfluteten Straße.© AFP / NARINDER NANU
In Johannesburg lässt sich die Uhr nach dem Gewitter stellen. Erdrutsch, Schlammlawine, Dürre und Tsunami – Indien hat alle erdenklichen Wetter-Katastrophen. Wasserfluten kennt man auch in Spanien, samt hochgedrückter Gullideckel und weggespülter Autos.